Rezension: „Radio Girls“ von Sarah-Jane Stratford

Rezension des historischen Romans "Radio Girls" von Sarah-Jane Stratford

Im November 1926 bewirbt sich die junge Amerikanerin Maisie Musgrave auf eine Sekretärinnenstelle bei der noch jungen British Broadcasting Corporation. Hörfunk ist neu und Maisie ist so arm, dass sie noch nie Radio gehört hat. Denn die Apparate kann sich nicht jeder leisten.

Überhaupt: Radio! Viele Briten sind von diesem neumodischen Firlefanz nicht überzeugt. „Warum sollte jemand Stimmen lauschen wollen ohne den dazugehörigen Körper zu sehen?“, fragen sie sich. Eine „unsinnige, vorübergehnde Laune“ sei das, findet etwa Maisies Vermieterin.

Maisie bekommt den Job und arbeitet nun als Assistentin der Assistentin von John Reith, dem ersten Generaldirektor der BBC, als Assistentin für Hilda Matheson sowie als Mitarbeiterin in der Postabteilung.

Maisie & Hilda

Maisie ist die Protagonistin von „Radio Girls“, aber der Star der Geschichte ist die reale Hilda Matheson, die von 1927 bis 1931 Director of Talks bei der BBC war. In den von ihr produzierten „Talks“ erhalten SchriftstellerInnnen, WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen (etwa die erste weibliche Abgeordnete des House of Commons) fünfzehn Minuten Zeit, um über ihre Ideen, Geschichten und Vorschläge zu sprechen. Damit erfindet Matheson ein neues Format. Denn zunächst wurden bei der BBC lediglich die Meldungen von Nachrichtenagenturen verlesen. Eine von ihr entwickelte Sendung, „The Week in Westminster“, läuft bis heute.

Die fortschrittliche und leidenschaftliche Hilda ist im Buch der Gegenpol zur konservativen Authoritätsfigur Reiths. Sie nimmt die schüchterne und zunächst ambitionslose Maisie unter ihre Fittiche. Die entwächst ihrer Sekretärinnenrolle zunehmends und wirkt aktives Mitglied des Produktionsteams der „Talks“-Abteilung.

Maisie wird immer mutiger und kommt – abseits ihres Jobs – einer Verschwörung auf die Schliche, die sie mit Hilfe Hildas aufdecken will. Ihre Vewicklung in die Geschichte führt so weit, dass sie in den Straßen Londons von einem Mann mit Revolver verfolgt wird.

„Radio Girls“ – zwischen Fakt und Fiktion

In ihrem Debütroman vereint Sarah-Jane Stratford die reale Geschichte der Anfangszeit der BBC mit der fiktiven Geschichte der Maisie Musgrave. So erfährt man in „Radio Girls“ nicht nur viel über die Anfänge der BBC, sondern auch über Themen, die zu dieser Zeit aktuell waren, wie die Einführung des Frauenwahlrechts. Mit der Verschwörungsgeschichte mangelt es auch nicht an Spannung.

Auf der Seite des Random House Verlags gibt es die ersten zwei Kapitel von Radio Girls als Leseprobe.

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