Rezension: „Climate Justice“ von Mary Robinson

Cover des Buchs Climate Justice von Mary Robinson

Und jetzt was für die ganz harten Nerds: „Climate Justice – A Man-Made Problem With A Feminist Solution“ von Mary Robinson. Klimakrise und Feminismus in einem Buch. Puh.

Aber, Entwarnung: Es ist a) nicht so dick und b) überhaupt nicht so trocken, wie es sich anhört.

Die ehemalige irische Premierministerin Mary Robinson erzählt in Climate Justice die Geschichten von neun Frauen und zwei Männern aus verschiedensten Ländern, die bereits jetzt die Folgen der Klimakrise spüren und diese mit universeller Leidenschaft und Entschlossenheit bekämpfen.

Viele von ihnen hat Robinson in ihrer Rolle als UN-Sondergesandte für den Klimawandel kennengelernt.

Klimawandelzeugin aus Afrika

Etwa Constance Okollet aus Uganda. Sie bezeichnte sich als „Zeugin des Klimawandels“ (climate justice witness). Seit dem Jahr 2000 leidet ihr Dorf im östlichen Uganda immer wieder unter Dürre und Fluten. Auf die Jahreszeiten ist kein Verlass mehr. Landwirtschaft ist wie eine Lotterie, sagt sie.

Das ist nicht nur ein Problem für das afrikanische Land und seine Bevölkerung. Denn 70 Prozent der weltweit konsumierten Nahrungsmittel stammen von Kleinbauern in Asien und Afrika.

Constance realisierte erst bei einem Treffen zum Thema Klimawandel in der über hundert Meilen entfernten Hauptstadt Kampala, dass nicht Gott dafür verantwortlich ist, sondern „reiche Leute aus dem Westen“, die klimaschädliche Emissionen verursachen.

Constance macht ihnen keinen Vorwurf. Sie möchte nur, dass sie ihre Emissionen reduzieren, „damit wir unsere Jahreszeiten zurückhaben können“.

Die Klimakrise ist näher, als wir denken

In Climate Justice zeigt Mary Robinson aber auch, dass die Klimakrise nicht nur ein Problem für Entwicklungsländer ist. Ihre Folgen sind auch für den Westen schon zu spüren.

Etwa bei einem Inuit-Stamm in Alaska, der wegen des steigenden Meeresspiegels sein Land verlassen und für 200 Millionen US-Dollar seine Gemeinde anderswo neu erschließen mussten – samt Häusern, Straßen und Schulen.

Oder in Mississippi. Wo Sharon Hansaws Frisörsalon nach Hurrikan Katrina im Jahr 2005 vollkommen zerstört war, wie der größte Teil ihrer Heimatstadt East Biloxi auch.

Vollkommen mittellos und von der Regierung im Stich gelassen gründete Sharon mit anderen Frauen einen Verein, der sich für die Interessen armer Einwohner*innen von Biloxi einsetzt. Denn beim Wiederaufbau wurden Kasinobetreiber normalen Bürger*innen bevorzugt (die Südstaaten-Stadt ist die drittgrößte Glücksspielmetropole in den USA nach Las Vegas und Atlantic City).

2008 bat die Oxfam America Sharon dann als Botschafterin für die Hilfsorganisation zu agieren. In dieser Rolle sprach sie vor UN-Gremien in Genf, New York und Kopenhagen über den Zusammenhang von Hurrikan Katrina und dem globalen Klimawandel. Aus der Kosmetikerin war eine Klimaaktivistin geworden.

Während sie dort die Berichte anderer Menschen aus Afrika, Bangladesch und von Pazifik-Inseln hörte, die Dürren, Typhoone und Tsunamis überlebt hatten, fühlte sich sich erst fehl am Platz. Schließlich kam sie aus einem hochentwickelten Land.

Aber schnell realisierte sie: „Arm ist arm, überall auf der Welt.“

Die Ärmsten – ob in Entwicklungsländern oder im reichen Westen – sind die Ersten, die unter den Folgen der Klimakrise leiden. Und das tun sie schon jetzt.


„Climate Justice – A Man-Made Problem With A Feminist Solution“ von Mary Robinson ist 2018 im Bloomsbury Verlag erschienen. Derzeit ist es nicht auf Deutsch erhältlich.

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